Predator Tour 2017 – Der Fisherino Bericht

Ich habe dieses Jahr an der European Fishing Championship, der Predator Tour 2017, teilgenommen und habe dort so einiges erlebt. In diesem Bericht erfährst Du alles über die Tour, wie man daran teilnimmt, wie man sich vorbereiten sollte und was ich selber dort alles erlebt habe.

Vorwort – Ungeplant auf mein erstes Angelturnier

Eigentlich hatte ich gar nicht vor mich bei der Predator Tour 2017 anzumelden. Das Schicksal wollte es aber so. Ich habe mich noch nie für Angelturniere interessiert, aber das war eines der geilsten Erlebnisse meines Lebens! Mein Kumpel Stephan hat einen Ersatzmann für die Predator Tour gesucht, weil sein Teammate abgesagt hat. Einige haben es vielleicht mitbekommen, dass ich über meinen Facebook-Channel mit gesucht habe. Irgendwann dachte ich mir: „Scheiß drauf, da haste jetzt richtig Bock drauf. Nimmste also selber an der fucking Tour teil!“.

Bei mir war der Anmeldeprozess also gar nicht so spannend. Stephan hat sich Ende des Jahres angemeldet und war erst einmal auf der Warteliste Platz 48. Jau, Du hast richtig gelesen Brudi – Warteliste Platz 48. Irgendwann im März kam eine Mail von Evert, dem Cheffe der Tour, an die Reservisten durch. Jetzt darfste nicht lange zögern. Wenn das Signal kommt, kannste nur in die Tasten hauen und Deine Teilnahme bestätigen. So machte es zumindest Kollege Stephan und zack kam wenig später seine Bestätigung, dass er an der Tour teilnehmen darf. 800 Euro kostet das pro Team. Jetzt noch den Bungalow mieten. Eigentlich sollte die Predator Tour jedes Jahr woanders stattfinden. Beim größten Angelturnier Europas ist das jedoch nicht so einfach. Dieses Jahr nahmen 110 Boote daran teil. Für die Masse muss man auch erstmal nen Teich finden, wie die Nussschalen drauf schippern können. Im dritten Jahr in Folge war also das Hollands Diep, bis runter zum HV der Austragungsort. Genauer gesagt lagen wir alle im Hafen vom Euro Park de Biesbosch.

Die Vorbereitung: Viel Wind, wenig Training

Getreu dem Motto “Willste sparen, Biesbosch fragen” solltest Du bei der Buchung deiner Hütte auf jeden Fall erwähnen, dass Du bei der Tour teilnimmst. Das hat uns glatt 250 Ocken gespart. Anstatt 600 Euro von Samstag bis nächster Woche Sonntag, mussten wir nur 350 Euronen klar machen. Anlegeplatz und Trailerkosten waren da schon mit inbegriffen. Sogar Strom an der Anlegestelle war mit dabei. Ich sag mal so: Fairer Scheiß! Wir hatten sogar ein wenig Glück und hatten ein Upgrade bekommen.

Auf die Tour habe ich mich an sich nicht speziell vorbereitet. Wir hatten ein altes aber dennoch gutes Lund-Boot, einen 15 PS Motor, einen 55 lbs Bug- und einen 55 lbs Heckmotor. Dazu ein Lowrance Echolot und die Gewissheit, keinen Peil vom Gewässer zu haben. Wir dachten, dass wir uns das alles innerhalb ein paar Tagen Training aneignen. Schön wäre es gewesen, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ich musste durch ein familiäres unschönes Ereignis leider meine Anreise auf Montag verschieben. Man kann es dann quasi “Unglück im Unglück” nennen, dass Dienstag und Mittwoch Windstärke 46 und mehr angesagt war und ein Rausfahren ohne Suizidgedanken nicht möglich war. Also startete die Tour original mit 2h Training für mich, die ich noch Montag mit Stephan draußen war. Und ich sag Dir, dass ich noch nie so viel Angst auf dem Wasser hatte. Junge, das waren jede Welle zwei Eimer Wasser, die über mich runter kamen. Und darauf sollte ich acht Stunden am Stück drei Tage lang angeln?

Predator Tour 2017: Der Auftakt

Am Mittwochabend war ein Come Together und Tour-Chef Evert hat allen die Regeln erklärt. Gefangen werden müssen drei Hechte, drei Zander und drei Barsche auf Gummi- oder Hardbaits. Wenn Du die drei Hechte nicht voll machst, dann zählen die gefangenen Zander und Barsche nicht. Hast Du also nur zwei Hechte und drei Zander, gehen nur die zwei Hechte in die Wertung. Hast du drei Hechte, ein Zander und drei Barsche gehen die drei Hechte und der Zander in die Wertung. Gemessen wurde an einer speziellen Messlatte, die wir von der Organisation bekommen haben. Dazu mussten wir als Pfand 100 Euro da lassen und haben dazu noch einen GPS Sender bekommen, den wir immer dabei haben mussten. Denn an Land gehen, sich mit anderen Booten direkt austauschen oder in verbotenen Regionen angeln, wurde direkt mit dem Ausschluss von der Predator Tour bestraft. Vor der Bootsinspektion, die jeden Morgen stattfand, war es ne gute Idee nochmal aufs stille Örtchen zu gehen. Sonst hätte man aus dem Boot scheißen müssen. Aber Digga, that´s your fucking choice!

Inspektion heißt, dass jedes Boot jeden Morgen komplett nach versteckten Fischen durchsucht wurde. Jede Klappe und jedes Staufach musste geöffnet werden. Selbst die Angeltaschen. Dazu bekamen wir alle jeden Morgen einen anderen QR-Code auf unser Messbord gelegt, damit eindeutig der Fangtag identifiziert werden konnte. Auf jeder Messlatte stand zudem die Teamnummer. Seit diesem Jahr gibt es sogar eine eigene Predator Tour App für alle Teilnehmer. Dort konnten wir dann mit dem Smartphone alle Fangbilder hochladen. Wirklich sehr praktisch. Alternativ gab es noch den alten Weg. Mit der App konnte man von acht bis 16 Uhr angeln. Hat man die App nicht verwendet, sondern ganz oldschool ne SD Karte, musste man um 16 Uhr wieder im Hafen sein. Gerade bei unserem langsamen Boot war das natürlich toll. Denn wir waren mit vielleicht ein oder zwei anderen Booten das langsamste im Feld. Die Franzosen hatten Bassboote mit bis zu 300 PS und heizten mit 120 km/h und mehr über das Wasser. Wir dagegen mit 10-13. Geile Sache, oder? Das war ein mega Handicap!

Turniertag 1: Leider bisslos

Durch den Sturm am Dienstag und Mittwoch war das Wasser ganz schön aufgewühlt. Wir konnten ja nur im Hollands Diep bleiben und dort war ne richtige braune Brühe. Sichtweite 10 bis 20 cm. Fassen wir also nochmal zusammen: Wir hatten keine Ahnung vom Gewässer, konnten nicht trainieren, konnten nicht wirklich weit rausfahren auf Grund des kleinen Motors und wir waren beide totale Turnier-Noobs. Ergebnis des ersten Turniertages war kein Biss, kein Fisch und 2 total designierte und bediente Vollpfosten. Man hat uns erzählt, dass wir an einem der besten Raubfischgewässer Europas angeln! Man hat uns erzählt, dass Barsch hier lockerer Beifang ist und nie unter 40 cm. Na klar, und wir schneidern wie zwei Anfänger der dem Wind entgegen. Aber wir hatten einen Plan. Durch den ersten Angeltag, konnten wir ein wenig das Gewässer erkunden. Zumindest dahin, wo wir hinkamen mit 15 PS. Tag zwei konnte also kommen, denn der Plan stand. Langsames abdriften der Krautkanten und werfen, werfen und nochmal werfen auf den ersehnten Hecht.

Turniertag 2: Erleichterung und Eigenmontagen

Tag zwei brach an und Ernüchterung machte sich breit. In der Nacht gab es ein derbes Gewitter und ich dachte mir schon beim Donner, dass das nicht unser Tag wird, da unser Plan davon ausging, dass wir halbwegs ruhiges Wasser hatten. Der Start wurde wegen starkem Wind, übrigens genau wie am ersten Turniertag, von 8 auf 10 Uhr verschoben. Safety first und das ist auch richtig so. Danke, dass das so gehandhabt wurde, denn nicht jeder hat ein fettes Boot mit 50 oder mehr Pferden unter der Haube. Jetzt kann man sagen, dass wir wohl einen taktischen Fehler gemacht haben. Den Hechten war das Unwetter wohl zu viel und sie hatten keinen Bock auf die Wellen. Man muss bedenken, dass es ja auch Wellengang unter Wasser gibt und da die Muttis ja bevorzugt in den Krautfeldern zu finden sein sollten, hatten sie anscheinend keinen Bock darauf, ständig vom Grünzeug durchgerüttelt zu werden. Wir haben trotzdem den flachen Bereich beangelt, weil wir da relativ wenig Wellen hatten. Unser Bugmotor hat uns einfach nicht an Position gehalten. Denn im Gegensatz zu Tag eins, haben wir am zweiten Tag auch nicht die Fernbedienung des Motors vergessen. Keine Chance aber nen Hecht zu verhaften. Wir haben am Montag Dietmar Isaiasch getroffen. Zwei andere Turnierteilnehmer haben sich mal nen Guiding gegönnt. Er hat uns zwar noch eine Stelle genannt, wo alle Fischarten zu fangen sind, die hat uns aber auch keinen Erfolg gebracht. Für die ganz heißen Spots hätte man wohl doch 500 Ocken fürn Guiding locker machen müssen. Aber das ist auch OK so. Leben und Leben lassen! Schließlich haben wir ihn ja auch nicht bezahlt. Aber sich nen Local zu holen, ist ne gute Idee. Die solltest Du Dir am besten merken. Es muss ja nicht Didi sein, aber das Gewässer ist mit 30 bis 40 km riesig!

An Tag zwei habe ich mir eine eigene Montage für eine stille Rute gebastelt. Ich will noch nicht zu viel erzählen, aber diese Montage für die tote Rute hat geknallt! Dazu werde ich in einem Bericht jedoch noch einmal gezielt auf mein verwendetes Rig darauf eingehen. Es war einfach zu erfolgreich, um nicht darüber zu schreiben. Mit einem Zander beendeten wir also die Tag Nummer zwei. Und Brudi ich sags dir. Hätte uns jemand gesehen, wie wir uns über diesen Fisch von 54,3 cm gefreut haben, wir hätten nen Orden für die größte Erleichterung ever bekommen. Stephan und ich haben getanzt, wir sprangen auf dem Boot rum, wir lagen uns in den Armen. Denn nach dem ersten Tag und den scheiß Bedingungen hatten wir echt Angst, als Schneider das Turnier abzuschließen. Freude pur, dieser emotionale Moment war mein Highlight auf der Tour. Man kann es nicht beschreiben, wenn man als Team einem krassen Druck ausgesetzt und demoralisiert ist. Ich stehe durch Fisherino dazu noch ein wenig mehr in der Öffentlichkeit, als so manch anderer Angler. Es war einfach ein richtig geiler Moment!

Turniertag 3: Mission Hecht

Tag drei war der schönste von allen. Wir haben uns gesagt, dass wir den Zander voll machen und uns dann den Barschen an einer angeblich heißen Stelle widmen wollen. Das mit dem Zander hat auch geklappt. Nach einem Biss auf der Vertikalrute von Stephan konnte ich abermals einen Zander mit der toten Rute von 65 cm fangen. Zwar nicht wie gehofft direkt am Morgen, jedoch aber 20 Minuten vor Schluss. Wieder mit meinem speziellen Rig und wieder bei ähnlichen Bedingungen (150 bis 200cm Wassertiefe und Sonnenschein). 

Unsere Mission war es nen Hecht zu fangen. Auf dem Weg zu unseren Hechtspots haben wir alles abgefeiert was ging und den Barsch gejagt an dem besagten heißen Spot, der sich als lahme Ente entpuppte. Naja egal, wir wollten auch nicht zu lange dem Barsch hinterher trauern, da die Mission Hechtfang für die Wertung absolute prio hatte. Wir haben an der Fahrrinnenkante  geschleppt auf 3-4m. Kein Biss. Wir haben die Kante abgeworfen. Kein Biss! Und wir haben dann wieder die Krautfelder bearbeitet, weil wir dachten dass die Hechte eventuell wieder ins flache gezogen sind, weil das Wasser sich beruhigt hatte. Dreimal darfst Du raten. Na klar, kein Biss!!! Zumindest nicht Hecht. Mir ist wie gesagt noch der Zander eingestiegen. Zwar wieder tote Rute, aber irgendwie muss ich da doch was richtig machen, denn Stephan hatte auch immer ne tote Rute draußen. Kann ja kein Zufall sein, oder?

Fazit: Top 100 und neue Bekanntschaften

Am Ende sprang leider nur ein 100. Platz heraus von 110 Teilnehmern. Wir hatten mehr Fisch als so manch anderes Team. Bertus Rozemeijer hatte zum Beispiel nur einen Hecht. Da der Hecht jedoch in die Wertung eingeht, war er dann mit seinem Teammate natürlich vor uns. Um unter die Top 50 zu kommen, hätte man die Hechte voll machen müssen.
Top 50 ist übrigens ein gutes Stichwort. Die ersten 50 sind direkt für die Predator Tour 2018 qualifiziert. Ich dagegen muss auf mein Glück hoffen. Gewonnen hat das Turnier Pierre Johnen und Daniel Kaldwoski. Zweiter wurde ebenfalls ein deutsches Team mit Jan Pusch und Daniel Brce. Herzlichen Glückwunsch Jungs. Das war ne megastarke Leistung. Pierre, was passiert eigentlich mit dem Boot, das du gewonnen hast? Ich brauche noch eines für nächstes Jahr 🙂

Es gab jede Menge Preise, ein voll ausgestattes Lundboot mit Trailer, Echolot und Motor im Wert zwischen 20.000 und 25.000 Euro war der Hauptpreis. Dann gab es für diverse Platzierungen Gutscheine, Angelurlaube, E-Motoren, Navionics Karten. Die Preisverleihung war einfach geil. Nachdem wir deutsche Hymne lautstark mitgeträllert haben, kam ein sehr sehr geiles Feuerwerk.

Ich sags mal so: Angeltechnisch war es hartes Brot. Man fühlt sich aber gut nach getaner Arbeit. Man hat der Natur gestrotzt, sein bestes gegeben. Auch wenn es mehr Fisch hätte sein können, bin ich mehr als zufrieden. Ich durfte so geile Typen wie Jan Pusch oder Enrico Di Ventura kennenlernen. Habe total geile Bekanntschaften gemacht (einen Gruß an Bernd und Philipp und an die Dahkle Brothers – Und Olli… sei doch nicht so faul!), eine Menge gelernt und Blut geleckt weitere Turniere zu angeln. Ich bleibe definitiv am Ball. Denn die Predator Tour 2017 war der Hammer. Einige der Bilder in diesem Beitrag sind von Michael Böckmann, ein fettes Danke an ihn dafür! Einen dicken Dank auch an Evert und sein Team, besonders an Leon unserem lustigen Inspekteur. Ihr macht die Tour zu dem, was sie ist. Die Europameisterschaft im Raubfischangeln und das größte und beste Angelturnier aller Zeiten! I hope we will see us next year my friends! <3