Barschangeln im Herbst: Dank neuer Studie zum Fisch

Der Herbst gilt gemeinhin als die goldene Jahreszeit für Raubfischangler und damit auch für Barschangler. Der gängigen Theorie nach legen sich die Fische jetzt die Fettpolster für den Winter zu und sind besonders leicht zu überlisten, weil im Dauer-Fressrausch.

Richtig ist, dass besonders die Barsche im Herbst verstärkt auf größere Nahrungsbrocken  umsteigen. Ob das nun mit der gängigen Winterspeck-Theorie zusammenhängt oder ob es für die Fische im Sommer einfach ökonomischer ist, sich aus den Massen an Minibrut und Zooplankton zu bedienen, als größere Beute zu jagen sei mal dahingestellt.

Aber der Herbst bietet vor allem Spinnfischern auf der Jagd nach Barschen noch einen weiteren Vorteil. Der Unterwasserdschungel aus Wasserpflanzen lichtet sich nämlich deutlich. Für uns Angler werden Spots erreichbar, die vor einigen Wochen noch selbst mit Oberflächenködern oder Offsethaken lediglich Salat an den Haken gebracht hätten.

Neue Studie zum Barschverhalten im Herbst

Neue Studien legen zudem nahe, dass große Barsche im Herbst in der Tat sehr aktiv sind und große Strecken bei ihren Beutezug zurücklegen. Die Studie von Angelwissenschaftler Prof. Dr. Robert Arlinghaus, bei der unter anderem auch Barsch-Papst Johannes Dietel mitgewirkt hat, stattete 34-43 cm lange Barsche mit Sendern aus und verfolgte anschließend Ihr Verhalten.

Die Messergebnisse für eine Woche im Oktober sind in diesem Video festgehalten.

Auch wenn einen die pure Datenflut und das Gewimmel zunächst überfordern lohnt ein genauer Blick.

Der Versuchs-See ist 22 Hektar (Also etwa 22 Fußballfelder) groß und weist an den Uferzonen Bewuchs mit Wasserpflanzen auf. Besonders gilt das für eine große Bucht im Norden des Sees. 

Das Wetter (Luftdruck und Temperatur) waren in der Versuchswoche relativ konstant. 

Tageszeit: Wann sind die Barsche aktiv?

Ganz grundsätzlich: tagsüber. Und zwar von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Das freut alle Langschläfer, denn zwanghaftes Frühaufstehen scheint nicht nötig. Nachts erlahmt die Barsch-Aktivität dagegen, und die Fische bewegen sich kaum. Gezieltes Nachtangeln kann man sich hier also sparen.

Spotwahl: Wo finde ich die Fische im Herbst? 

Jetzt wird es für Barschangler richtig interessant. Denn die Daten zeigen, dass die Fische tagsüber oft in Trupps entlang der Krautkanten ziehen. Es gibt aber Zonen im See, die weniger stark frequentiert werden. 

Dennoch gab es Tage, an denen sich viele Barsche über mehrere Stunden im Norden an der Kante zur großen Bucht sowie im Ost- und Westteil des Sees – dort ebenfalls an den jeweiligen Kanten – aufgehalten haben.

Die lange Südseite des Sees mit kleinem Krautfeld und weniger steiler Kante ist dagegen eine reine Transitzone, in der sich die Fische nicht länger aufhalten.

Das bedeutet: Barsch-Hotspots sind auch im Herbst existent, aber die Fische sind auch mobil und ziehen an den Kanten umher.

In welcher Wassertiefe halten sich die Barsche auf?

Auch hier liefern die Daten interessantes. Denn während die Barsche die Nächte vermehrt im Schutz der Wasserpflanzen verbringen und somit tendenziell flachere Bereiche aufsuchen, dringen sie im Laufe des Tages in tieferes Wasser vor und sind in Bereichen zwischen 4 und 5 Metern Wasssertiefe anzutreffen. 

Dabei halten sie sich fast immer im unteren Drittel der verfügbaren Wassersäule auf. Also bei 4 Metern Wassertiefe stehen sie tendenziell ab 2,5 Meter tief, oft aber eher in Grundnähe.

Wie fängt man Barsche im Herbst? 

Destilliert man die Daten dieses Sees auf ihre anglerische Verwendbarkeit kristallisiert sich ein Muster heraus. 

Die Formel für das Angeln im Herbst lautet: 

  • Während des Tages an steilen (Kraut-)Kanten den Grund und das Mittelwasser befischen

  • Spotwechsel bei anhaltender Erfolglosigkeit sind sinnvoll (Standorttage)

Welche Köder für Barsch im Herbst? 

Da die Fische oft aktiv auf Nahrungssuche sind und viel umherschwimmen kann man wunderbar auf die Köderklasse der Searchbaits zurückgreifen.

Dazu zählt grob alles was ausgeworfen und relativ stringent wieder eingekurbelt wird: Crankbaits, Chatterbaits, Vibrationsköder aber auch Swimbaits, Jigspinner oder Blinker. 

Mit diesen Ködern lassen sich schnell und effektiv größere Bereich absuchen und die Barsch-Trupps effektiv stellen.

Bootsangler sind bei der Köderwahl etwas im Vorteil, weil sie sich den Kanten von der Wasserseite aus nähern können und deshalb weniger Ärger mit dem verbliebenen Pflanzen in Ufernähe haben. 

Aber auch für Uferangler gibt es mittlerweile feine Lösungen, um nicht am Ende jeden Wurfs das Unkraut vom Haken zupfen zu müssen. Die Zauberkombi heißt “Krautfrei dank Offset”. 

Auch ein Texas-Rig kann man mit einem Paddletail-Köder wunderbar als durchgekurbelter Searchbait gefischt werden. Mehr noch: Es lässt sich auch top im Mittelwasser twitchen oder natürlich auch klassisch über den Grund zuppeln, wenn man die heiße Zone gefunden hat.

Ebenfalls hervorragend eignet sich das Cheburashka-Rig als Searchbait. Der Vorteil gegenüber dem Texas-Rig ist, dass Köder- und Gewichtswechsel schnell vollzogen sind. Außerdem kann man es problemlos mit einem Stahlvorfach oder für die extra unauffällige Präsentation dem Fisherino UL-Stahlvorfach kombinieren und somit hechtsicher angeln.

Fazit: Goldene Barschzeit im Herbst? 

Die Daten für diesen spezifischen See lassen sich wahrscheinlich nicht 1:1 auf andere Gewässer übertragen. Aber zumindest in stehenden Gewässern dürften sich die grundsätzlichen Verhaltensweisen der Fische nicht massiv unterscheiden. Von daher sind die Daten allemal ein guter Ausgangspunkt zur Barsch-Lokalisierung und Taktikbestimmung, wenn man im Herbst auf Barsche angelt.