Angelschnur-Guide: Das solltest Du über Mono-, Braid- und Hybridschnüre wissen

Keine Frage: Die Einführung von geflochtenen Angelschnüren hat das Angeln mit Kunstködern so nachhaltig verändert, dass man getrost von einer Revolution sprechen kann. Aber auch monofile Angelschnüre haben Vorteile und ihre Daseinsberechtigung. Höchste Zeit also zu klären, welche Schnur was kann und wann welches Material zum Einsatz kommen sollte.

Der Markt der Angelschnüre | Mono-, Braid- und Hybridschnüre

Geflochtene Schnur – auch Braid oder einfach PE (Abkürzung des Grundstoffs Polyethylen) genannt – beherrscht mittlerweile den deutschen Angelschnur-Markt. Die Unterschiede in der Qualität sind dabei allerdings ebenso groß wie die Zahl der Anbieter. 

Die Konkurrenz unter den Herstellern ist groß. Das sorgt für dauernde Weiterentwicklungen. Die Hersteller versuchen sie die bestehenden Nachteile und Schwachstellen der geflochtenen Schnur zu eliminieren bzw. abzumildern. Auch Kreuzungen aus Braid und Mono - sogenannte Hybridschnüre - sind erhältlich. 

Und noch ein Material hat vor einigen Jahren Einzug auf dem Schnurmarkt gehalten: Fluorocarbon – oder kurz Fluo – ist als Hauptschnur mittlerweile nicht mehr nur bei Spezialisten gebräuchlich.

Im Resultat gibt es auf dem Markt eine schier unüberschaubare Anzahl von Produkten. Doch was macht eine gute Schnur eigentlich aus? Wann sollte man eher auf eine monofile Schnur setzen und wann ist die geflochtene im Vorteil? 

Wann sind monofile Schnüre besser geeignet?

Aus Spinnfischer-Sicht lassen sich die Fluo--Eigenschaften Dehnung und Unauffälligkeit nutzen. Der Gummiband-Effekt lässt zum Beispiel Twitchbaits oder Swimbaits natürlicher tanzen und federt nervige Vibrationen beim Crank- und Spinnerbaitkurbeln effektiv ab. 

Dabei ist zu beachten: Fluorocarbon sinkt, während das altbekannte Nylon nur komplett entfettet langsam untergeht. Außerdem hat Nylon einen höheren Memoryeffekt als Fluorocarbon, was unter Umständen Luftknoten und andere Perücken begünstigt.

Forellenangler schätzen zudem die hohe Unauffälligkeit von monofiler Schnur. Da bei dieser Angelei nicht selten große Fische auf kurze Distanz einsteigen und die Bisserkennung keine größere Rolle spielt hilft die Mono-Dehnung zudem Aussteiger beim Drill zu vermeiden. 

Was sind die Vorteile einer geflochtenen Angelschnur?

Braid weist grundsätzlich gegenüber monofiler Angelschnur zwei wesentliche Vorteile auf. 

Da ist zunächst die beinahe nicht vorhandene Dehnung. Dadurch spürt der Angler auch auf große Distanzen was unter Wasser vor sich geht. 

Zum anderen ist Braid bei gleicher Tragkraft wesentlich dünner als monofile Angelschnur. Geflochtene Schnur bietet also weniger Wind- und Wasserwiderstand und ist leichter. So werden größere Wurfweiten erreicht, Schnurbögen durch Wind minimiert und die Köder gelangen schneller auf Tiefe. 

Was sind die Nachteile einer geflochtenen Angelschnur?

Kurz gesagt: Braid ist anfällig gegenüber Reibung. Schon kleine Beschädigungen können die Tragkraft komplett aufheben und die Schnur reißt dann scheinbar grundlos bei geringer Belastung. 

Außerdem lässt sie sich im Winter nur eingeschränkt nutzen, weil sie einfriert und dann nicht mehr fischbar ist. Abhilfe verschaffen hier Hybridschnüre aus Mono und PE wie die Sunline Salimate Cast Away. Die macht übrigens nebenbei bemerkt auch auf Baitcastrollen eine extrem gute Figur! 

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Diese 7-Merkmale machen eine gute geflochtene Angelschnur aus

 1. Geringe Wasseraufnahme

Auch wenn PE als Basismaterial kein Wasser aufnimmt ist Wasseraufnahme gerade bei günstigen geflochtenen Schnüren ein Problem. Das Wasser dringt hier einfach zwischen den einzelnen Strängen ein. Neben einer mangelhaften oder beschädigten Versiegelung ist es häufig eine zu lockere Flechtung, die für die Wasseraufnahme verantwortlich ist. Warum nervt das? Ganz einfach: Das Wasser wird beim Werfen teilweise auch wieder abgegeben und landet beim Kurbeln auf den Händen. Im Sommer kein größeres Problem – im Herbst und Winter echt störend, weil kalt. 

2. Abriebfestigkeit

Die Anfälligkeit gegenüber Abrieb ist die Achillesferse ALLER geflochtenen Angelschnüre. Um die empfindlichen Fasern zu schützen, versehen die Hersteller die Einzel-Garne der geflochtenen Schnur mit Versiegelungen. Die Qualität dieser Coatings und des Verfahrens bestimmt in letzter Konsequenz die Haltbarkeit und Lebensdauer der geflochtenen Schnur. 

3. Passende Angaben

Die Tragkraft im Verhältnis zum Durchmesser bietet den Herstellern reichlich fantastischen “Interpretationsspielraum”. In Japan wird daher zur objektiven Vergleichbarkeit die so genannte “Line Size” verwendet. Dabei wird das Gewicht einer bestimmten Länge geflochtener Schnur miteinander ins Verhältnis gesetzt. Als Resultat kann man Schnüre objektiv miteinander vergleichen. Das ganze ist aber vor allem für Schnurrekorde relevant. In der Praxis sollte man sich einfach an der Tragkraftangabe orientieren. Welche Fischarten/Belastungen erwarte ich? Danach wählt man die Schnur aus. 

4. Rundheit

Eine gewisse Rundheit ist wichtig, weil die Lagen platt geflochtener Schnüre die Tendenz haben, sich beim straffen Aufwickeln auf einer Angelrolle ineinander zu verkeilen. Als Resultat kommt es sowohl bei der Baitcaster als auch bei Stationärrollen vermehrt zu Perücken. 

5. Knotbarkeit

Oft unterschätzt, aber wenn man so will ebenfalls ein Schwachpunkt von PE ist, dass sich Geflechtschnüre nicht so einfach knoten lassen und gerade die Verbindung mit Mono spezielle Knoten erfordert. Denn: Egal wie gut die geflochtene Schnur ist, taugt der Knoten nichts ist das Gesamtsystem einfach schwach. Deshalb sollte man in jedem Fall die Zeit investieren und zu Hause den FG-Knot üben, bis man ihn auch bei Windstärke sechs auf hoher See beherrscht. FG-Knot  kennt oder könnt ihr nicht? Macht nichts. YouTube ist voll mit Anleitungen. Hier zum Beispiel: 

6. Smoothness

Vor nicht allzulanger Zeit waren geflochtene Schnüre in den Rutenringen extrem laut. Mittlerweile haben sich die Coatings verbessert und neben der lange Zeit vorherrschenden vierfach geflochtenen haben sich die leiseren acht- oder sogar zwölffach geflochtene Schnüre breitgemacht. Auch hier sollte man auf Qualität achten. Besonders günstige Schnüre fühlen sich im Laden noch glatt an. Unter Realbedingungen endet die dafür verantwortliche Beschichtung aber auch ganz schnell in den Rutenringen und an der Rolle.

7. Hohe Farbstabilität

Alle geflochtene Schnüre färben aus. Das ist ein Fakt. Allerdings behalten Qualitätsprodukte ihre Farbe länger und verlieren in der Regel auch nicht ganz so stark Farbe wie günstigere Produkte. Übrigens: Unserer Erfahrung nach hat die Farbe der geflochtenen Schnur keine spürbare Scheuchwirkung auf die Fische. Da kann man also in Kombination mit einem Fluo-Vorfach seinem persönlichen Geschmack und Sichtbarkeitsempfinden folgen.

Allerdings ist Braid nicht gleich Braid. Bei fisherino.de gibt es daher ausschließlich geflochtene Schnüre, die ihre Tauglichkeit unter Realbedingungen immer wieder bewiesen haben.